Es sehnt und sucht, was in mir ist, Den neugebornen heil’gen Christ; Will fragen gehn von Haus zu Haus, Will forschen Land und Leute aus: Sagt an, Wo ich ihn suchen und finden kann.
Jerusalem, du Königsstadt, Wo Davids Arm gewaltet hat, Find‘ ich in deiner Herrlichkeit Das Kindlein, das mein Herz erfreut? O nein! Such‘ anderswo das Kindelein!
Sagt, find‘ ich an Herodis Thron Den menschgewordenen Gottessohn? Find‘ ich ihn in des Römers Zelt, Der hier das Schwert des Kaisers hält? O nein! Such‘ anderswo das Kindelein!
Ihr stolzen Mauern Jericho’s, Bergt ihr das Kind in eurem Schooß? Gibt Hebron mir vielleicht Bescheid, Die Stadt, wo Könige geweiht? O nein! Such‘ anderswo das Kindelein!
O Kindelein! war dir genehm Vielleicht das kleine Bethlehem, Wo König David’s Wiege stand, Du selber David’s Sohn genannt? Sag‘ an, Wo ich dich suchen und finden kann.
Ich frag‘ und geh‘ von Haus zu Haus – So tret‘ ich in das Feld hinaus: Du armer Stall, der einsam steht, Hast du, wonach mein Sehnen geht? Eia! Eia! Das süße Kindlein das ist da.
Das süße Kindlein das ist da, Die süße Mutter steht ihm nah‘ Und zeigt der frommen Hirtenschaar Das Heil der Welt, das sie gebar. Eia! Eia! Das süße Kindlein das ist da.
O kann es sein? kann’s möglich sein? Im Stalle mein Christkindelein? Der große Gott ein armes Kind, Noch ärmer, als wir selber sind? Eia! Eia! Das süße Kindlein das ist da.
Da die Hirten ihre Herde ließen und des Engels Worte trugen durch die enge Pforte zu der Mutter und dem Kind fuhr das himmlische Gesind fort, im Sternenraum zu singen, fuhr der Himmel fort zu klingen: „Friede, Friede! auf der Erde!“
Seit die Engel so geraten, o wie viele blutge Taten hat der Streit auf wildem Pferde, der geharnischte, vollbracht! In wie mancher heilgen Nacht sang der Chor der Geister zagend dringlich flehend, leis verklagend: „Friede, Friede! auf der Erde!“
Doch es ist ein ewger Glaube, dass der Schwache nicht zum Raube jeder frechen Mordgebärde werde fallen allezeit: Etwas wie Gerechtigkeit webt und wirkt in Mord und Grauen, und ein Reich will sich erbauen, das den Frieden sucht der Erde.
Mählich wird es sich gestalten, seines heilgen Amtes walten, Waffen schmieden ohne Fährde, Flammenschwerter für das Recht, und ein königlich Geschlecht wird erblühn mit starken Söhnen, dessen helle Tuben dröhnen: „Friede, Friede auf der Erde!“
Nußknacker, du machst ein grimmig Gesicht – Ich aber, ich fürchte vor dir mich nicht: Ich weiß, du meinst es gut mit mir, Drum bring ich meine Nüsse dir.
Ich weiß, du bist ein Meister im Knacken: Du kannst mit deinen dicken Backen Gar hübsch die harten Nüsse packen Und weißt sie vortrefflich aufzuknacken.
Nußknacker, drum bitt ich dich, bitt ich dich, Hast bessere Zähn als ich, Zähn als ich. O knacke nur, knacke nur immerzu! Ich will dir zu Ehren, die Kerne verzehren.
O knacke nur, knack knack knack! immerzu! Ei, welch ein braver Kerl bist du!
Hätt einer auch fast mehr Verstand Als wie die drei Weisen aus Morgenland Und ließe sich dünken, er wär wohl nie Dem Sternlein nachgereist wie sie; Dennoch, wenn nun das Weihnachtsfest Seine Lichtlein wonniglich scheinen lässt, Fällt auch auf sein verständig Gesicht, Er mag es merken oder nicht, Ein freundlicher Strahl Des Wundersternes von dazumal.
Ein milder Stern herniederlacht; Vom Tannenwalde steigen Düfte Und hauchen durch die Winterlüfte, Und kerzenhelle wird die Nacht.
Mir ist das Herz so froh erschrocken, Das ist die liebe Weihnachtszeit! Ich höre fernher Kirchenglocken Mich lieblich heimatlich verlocken In märchenstille Herrlichkeit.
Ein frommer Zauber hält mich wieder, Anbetend, staunend muss ich stehn; Es sinkt auf meine Augenlider Ein goldner Kindertraum hernieder, Ich fühl´s ein Wunder ist geschehn.
Wenn über Wege tief beschneit, Der Schlitten lustig rennt, Im Spätjahr in der Dämmerzeit Die Wochen im Advent, Wenn aus dem Schnee das junge Reh Sich Kräuter sucht und Moose: Blüht unverdorrt im Frost noch fort Die weiße Weihnachtsrose.
Kein Blümchen sonst auf weiter Flur; In ihrem Dornenkleid Nur sie, die niedre Distel nur Trotzt allem Winterleid; Das macht, sie will erwarten still, Bis sich die Sonne wendet, Damit sie weiß, daß Schnee und Eis Auch diesmal wieder endet.
Doch ist’s geschehn, nimmt fühlbar kaum Der Nächte Dunkel ab, Dann sinkt mit einem Hoffnungstraum Auch sie zurück in‘s Grab. Nun schläft sie gern; sie hat von fern Des Frühlings Gruß vernommen, Und o wie bald wird glanzumwallt Er sie zu wecken kommen!
Weit fort in einem kalten Land steht Wanjas Haus am Waldesrand In langen Zapfen hängt das Eis, und rings herum ist alles weiß.
Da ist bei Sturm in finsterer Nacht Der Wanja plötzlich aufgewacht. „Was höre ich da tocken?“ so fragt er sich erschrocken.
Wer ist`s, wer klopft da an mein Haus? Ein Hase hockt im Schneesturm drauß´: Der schreit und jammert kläglich. „Ich friere so unsäglich.“
Der Wanja sagt: „Komm nur herein, Ich heize gleich im Ofen ein.“ Das Feuer zischt und prasselt laut; Die Wärme dringt bis in die Haut.
Der Has` streckt sich behaglich aus. Bald wird es still im kleinen haus. Auch Wanja deckt sich wieder zu; „Gut Nacht und angenehme Ruh!“
Doch kaum sind beide eingeschlummert, Da weckt sie Lärm. Es pocht und bummert, Und jemand trommelt an das Tor. Ein roter Fuchs steht jetzt davor.
Der knurrt: „Erfroren ist mein Zeh. Ich hab genug von Eis und Schnee. Ich kann nicht weiterlaufen, Lass mich bei dir verschnaufen!“
Da schreit der Hase: „Nein oh nein, Lass bloß den Fuchs hier nicht herein! Er ist darauf versessen, Uns Hasen aufzufressen.“
Der Fuchs mit kalten Gliedern Beeilt sich zu erwidern: „Ich schwör bei meiner Ehre, Dass ich dich nicht verzehre:“
Der Wanja sagt: „Na gut, komm rein, Doch halte dein Versprechen ein.“
Der Fuchs streckt sich behaglich aus. Bald wird es still im kleinen Haus. Auch Wanja deckt sich wieder zu: „Gut Nacht und angenehme Ruh!“`
Doch es ist wirklich unerhört- Schon wieder werden sie gestört. Es klopft und pocht, es kratzt und kracht. Ein Bär steht draußen in der Nacht, Und- das muss man erwähnen- Er klappert mit den Zähnen.
Der Wanja starrt den Bären an. „Was mach ich bloß? O Mann, o Mann.”
Und auch der Fuchs erbleicht vor Graus. Er denkt: „Nun ist es mit mir aus. Der Bär hat es gerochen, Dass ich ihm vor zwei Wochen Ein Stückchen Fleisch gestohlen. Jetzt kommt er, mich zu holen.“
Dem Bären sind die Ohren Vor Kälte steif gefroren, drum ist ihm alles einerlei. Er schwört, dass er ganz harmlos sei.
Der Wanja sagt: „Komm rein, schon gut!“ Und wirft ein Holzscheit in die Glut.
Der Bär streckt sich behaglich aus. Bald wird es still im kleinen Haus. Auch Wanja deckt sich wieder zu: „Gut` Nacht und angenehme Ruh!“
Der Schneesturm unterdessen Tobt weiter wie besessen. Er reißt die stärksten Bäume aus Und rüttelt an dem kleinen Haus. Doch drinnen schlafen wohlgeborgen Fuchs, Bär und Hase bis zum Morgen.
Kaum aber fängt es an zu dämmern, beginnt des Hasen Herz zu hämmern. „Der Fuchs meint es nicht ehrlich; Er ist und bleibt gefährlich. Wie kann man sich vertragen? Dem knurrt ja schon der Magen. Es ist wohl besser wenn ich geh`.“ Er hoppelt wieder durch den Schnee.
Der Fuchs erwacht aus Schlaf und Traum, Reckt sich, erblickt den Bären kaum, Da fährt ihm auch schon wieder Der Schreck in alle Glieder. „Wenn das ein gutes Ende nimmt! Der Bär ist gegen mich ergrimmt. Er wird mit seinen Tatzen Mich ganz empfindlich kratzen.“ Und eilig, eh der Bär erwacht, hat sich der Fuchs davongemacht.
Jetzt schnarcht nur noch der Bär im Eck, Schnarcht laut und rührt sich nicht vom Fleck. Er ist nicht mehr durchfroren Und hat auch warme Ohren. Und auch sein Pelz ist nicht mehr nass. Dann brummt er, blinzelt und wird blass; Denn was er sieht bedrängt ihn sehr; Am Nagel hängt ein Schießgewehr.
„Verflixt, das ist ein Jägerhaus!“ Ganz heimlich schleiche ich mich raus. Die Sonne steht schon überm Wald. Heut` wird`s bestimmt nicht mehr so kalt.“ Er tappt so leise er vermag, hinaus in einen neuen Tag.
Der Wanja – noch vom Schlaf umfangen – Begreift nicht, was hier vorgegangen. Er blickt umher im leeren Raum. War das denn alles nur ein Traum?
Doch draußen sieht er von drei Tieren Die Spuren sich im Schnee verlieren.
Der Wanja schaut und nickt und lacht: „Wir haben wirklich diese Nacht gemeinsam friedlich zugebracht. – Was so ein Schneesturm alles macht!“
Fest gemauert in der Erden Steht die Form aus Lehm gebrannt. Heute muß die Glocke werden! Frisch, Gesellen, seyd zur Hand! Von der Stirne heiß Rinnen muß der Schweiß, Soll das Werk den Meister loben; Doch der Segen kommt von oben.
Zum Werke, das wir ernst bereiten, Geziemt sich wohl ein ernstes Wort; Wenn gute Reden sie begleiten, Dann fließt die Arbeit munter fort. So laßt uns jetzt mit Fleiß betrachten, Was durch die schwache Kraft entspringt; Den schlechten Mann muß man verachten, Der nie bedacht, was er vollbringt. Das ist’s ja, was den Menschen zieret, Und dazu ward ihm der Verstand, Daß er im innern Herzen spüret, Was er erschafft mit seiner Hand.
Nehmet Holz vom Fichtenstamme, Doch recht trocken laßt es seyn, Daß die eingepreßte Flamme Schlage zu dem Schwalch hinein. Kocht des Kupfers Brei! Schnell das Zinn herbei, Daß die zähe Glockenspeise Fließe nach der rechten Weise!
Was in des Dammes tiefer Grube Die Hand mit Feuers Hülfe baut, Hoch auf des Thurmes Glockenstube Da wird es von uns zeugen laut. Noch dauern wird’s in späten Tagen Und rühren vieler Menschen Ohr, Und wird mit dem Betrübten klagen Und stimmen zu der Andacht Chor. Was unten tief dem Erdensohne Das wechselnde Verhängniß bringt, Das schlägt an die metallne Krone, Die es erbaulich weiter klingt.
Weiße Blasen seh’ ich springen, Wohl! die Massen sind im Fluß. Laßt’s mit Aschensalz durchdringen, Das befördert schnell den Guß. Auch von Schaume rein Muß die Mischung seyn, Daß vom reinlichen Metalle Rein und voll die Stimme schalle.
Denn mit der Freude Feierklange Begrüßt sie das geliebte Kind Auf seines Lebens erstem Gange, Den es in Schlafes Arm beginnt; Ihm ruhen noch im Zeitenschooße Die schwarzen und die heitern Loose; Der Mutterliebe zarte Sorgen Bewachen seinen goldnen Morgen – Die Jahre fliehen pfeilgeschwind. Vom Mädchen reißt sich stolz der Knabe, Er stürmt ins Leben wild hinaus, Durchmißt die Welt am Wanderstabe, Fremd kehrt er heim ins Vaterhaus. Und herrlich, in der Jugend Prangen, Wie ein Gebild aus Himmelshöhn, Mit züchtigen, verschämten Wangen Sieht er die Jungfrau vor sich stehn. Da faßt ein namenloses Sehnen Des Jünglings Herz, er irrt allein, Aus seinen Augen brechen Thränen, Er flieht der Brüder wilder Reihn. Erröthend folgt er ihren Spuren Und ist von ihrem Gruß beglückt, Das Schönste sucht er auf den Fluren, Womit er seine Liebe schmückt. O zarte Sehnsucht, süßes Hoffen, Der ersten Liebe goldne Zeit, Das Auge sieht den Himmel offen, Es schwelgt das Herz in Seligkeit; O daß sie ewig grünen bliebe, Die schöne Zeit der jungen Liebe!
Wie sich schon die Pfeifen bräunen! Dieses Stäbchen tauch’ ich ein, Sehn wir’s überglast erscheinen, Wird’s zum Gusse zeitig seyn, Jetzt, Gesellen, frisch! Prüft mir das Gemisch, Ob das Spröde mit dem Weichen Sich vereint zum guten Zeichen.
Denn wo das Strenge mit dem Zarten, Wo Starkes sich und Mildes paarten, Da gibt es einen guten Klang. Drum prüfe, wer sich ewig bindet, Ob sich das Herz zum Herzen findet! Der Wahn ist kurz, die Reu’ ist lang. Lieblich in der Bräute Locken Spielt der jungfräuliche Kranz, Wenn die hellen Kirchenglocken Laden zu des Festes Glanz. Ach! des Lebens schönste Feier Endigt auch den Lebensmai, Mit dem Gürtel, mit dem Schleier Reißt der schöne Wahn entzwei. Die Leidenschaft flieht, Die Liebe muß bleiben; Die Blume verblüht, Die Frucht muß treiben. Der Mann muß hinaus Ins feindliche Leben, Muß wirken und streben Und pflanzen und schaffen, Erlisten, erraffen, Muß wetten und wagen, Das Glück zu erjagen. Da strömet herbei die unendliche Gabe, Es füllt sich der Speicher mit köstlicher Habe, Die Räume wachsen, es dehnt sich das Haus. Und drinnen waltet Die züchtige Hausfrau, Die Mutter der Kinder, Und herrschet weise Im häuslichen Kreise, Und lehret die Mädchen Und wehret den Knaben, Und reget ohn’ Ende Die fleißigen Hände, Und mehrt den Gewinn Mit ordnendem Sinn, Und füllet mit Schätzen die duftenden Laden, Und dreht um die schnurrende Spindel den Faden, Und sammelt im reinlich geglätteten Schrein Die schimmernde Wolle, den schneeigten Lein, Und füget zum Guten den Glanz und den Schimmer, Und ruhet nimmer.
Und der Vater mit frohem Blick Von des Hauses weitschauendem Giebel Ueberzählet sein blühend Glück, Siehet der Pfosten ragende Bäume Und der Scheunen gefüllte Räume Und die Speicher, vom Segen gebogen, Und des Kornes bewegte Wogen, Rühmt sich mit stolzem Mund: Fest, wie der Erde Grund, Gegen des Unglücks Macht Steht mir des Hauses Pracht! Doch mit des Geschickes Mächten Ist kein ew’ger Bund zu flechten, Und das Unglück schreitet schnell.
Wohl! nun kann der Guß beginnen, Schön gezacket ist der Bruch. Doch bevor wir’s lassen rinnen, Betet einen frommen Spruch! Stoßt den Zapfen aus! Gott bewahr’ das Haus! Rauchend in des Henkels Bogen Schießt’s mit feuerbraunen Wogen.
Wohlthätig ist des Feuers Macht, Wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht, Und was er bildet, was er schafft, Das dankt er dieser Himmelskraft; Doch furchtbar wird die Himmelskraft, Wenn sie der Fessel sich entrafft, Einhertritt auf der eignen Spur Die freie Tochter der Natur. Wehe, wenn sie losgelassen Wachsend ohne Widerstand Durch die volkbelebten Gassen Wälzt den ungeheuren Brand! Denn die Elemente hassen Das Gebild der Menschenhand. Aus der Wolke Quillt der Segen, Strömt der Regen; Aus der Wolke, ohne Wahl, Zuckt der Strahl. Hört ihr’s wimmern hoch vom Thurm? Das ist Sturm! Roth, wie Blut, Ist der Himmel; Das ist nicht des Tages Glut! Welch Getümmel Straßen auf! Dampf wallt auf! Flackernd steigt die Feuersäule, Durch der Straße lange Zeile Wächst es fort mit Windeseile; Kochend, wie aus Ofens Rachen, Glühn die Lüfte, Balken krachen, Pfosten stürzen, Fenster klirren, Kinder jammern, Mütter irren, Thiere wimmern Unter Trümmern; Alles rennet, rettet, flüchtet, Taghell ist die Nacht gelichtet; Durch der Hände lange Kette Um die Wette Fliegt der Eimer, hoch im Bogen Spritzen Quellen Wasserwogen. Heulend kommt der Sturm geflogen, Der die Flamme brausend sucht; Prasselnd in die dürre Frucht Fällt sie in des Speichers Räume, In der Sparren dürre Bäume, Und als wollte sie im Wehen Mit sich fort der Erde Wucht Reißen, in gewalt’ger Flucht, Wächst sie in des Himmels Höhen Riesengroß! Hoffnungslos Weicht der Mensch der Götterstärke, Müßig sieht er seine Werke Und bewundernd untergehen.
Leergebrannt Ist die Stätte, Wilder Stürme rauhes Bette. In den öden Fensterhöhlen Wohnt das Grauen, Und des Himmels Wolken schauen Hoch hinein.
Einen Blick Nach dem Grabe Seiner Habe Sendet noch der Mensch zurück – Greift fröhlich dann zum Wanderstabe. Was Feuers Wuth ihm auch geraubt, Ein süßer Trost ist ihm geblieben, Er zählt die Häupter seiner Lieben, Und sieh! ihm fehlt kein theures Haupt.
In die Erd’ ist’s aufgenommen, Glücklich ist die Form gefüllt; Wird’s auch schön zu Tage kommen, Daß es Fleiß und Kunst vergilt? Wenn der Guß mißlang? Wenn die Form zersprang? Ach, vielleicht indem wir hoffen, Hat uns Unheil schon getroffen.
Dem dunklen Schooß der heilgen Erde Vertrauen wir der Hände That, Vertraut der Sämann seine Saat Und hofft, daß sie entkeimen werde Zum Segen, nach des Himmels Rath. Noch köstlicheren Samen bergen Wir trauernd in der Erde Schooß Und hoffen, daß er aus den Särgen Erblühen soll zu schönerm Loos.
Von dem Dome, Schwer und bang, Tönt die Glocke Grabgesang. Ernst begleiten ihre Trauerschläge Einen Wandrer auf dem letzten Wege.
Ach! die Gattin ist’s, die theure, Ach! es ist die treue Mutter, Die der schwarze Fürst der Schatten Wegführt aus dem Arm des Gatten, Aus der zarten Kinder Schaar, Die sie blühend ihm gebar, Die sie an der treuen Brust Wachsen sah mit Mutterlust – Ach! des Hauses zarte Bande Sind gelöst auf immerdar; Denn sie wohnt im Schattenlande, Die des Hauses Mutter war; Denn es fehlt ihr treues Walten, Ihre Sorge wacht nicht mehr; An verwaister Stätte schalten Wird die Fremde, liebeleer.
Bis die Glocke sich verkühlet, Laßt die strenge Arbeit ruhn. Wie im Laub der Vogel spielet, Mag sich jeder gütlich thun. Winkt der Sterne Licht, Ledig aller Pflicht, Hört der Bursch die Vesper schlagen; Meister muß sich immer plagen.
Munter fördert seine Schritte Fern im wilden Forst der Wandrer Nach der lieben Heimathütte. Blökend ziehen heim die Schafe, Und der Rinder Breitgestirnte, glatte Schaaren Kommen brüllend, Die gewohnten Ställe füllend. Schwer herein Schwankt der Wagen, Kornbeladen, Bunt von Farben, Auf den Garben Liegt der Kranz, Und das junge Volk der Schnitter Fliegt zum Tanz. Markt und Straße werden stiller, Um des Lichts gesell’ge Flamme Sammeln sich die Hausbewohner, Und das Stadtthor schließt sich knarrend. Schwarz bedecket Sich die Erde; Doch den sichern Bürger schrecket Nicht die Nacht, Die den Bösen gräßlich wecket; Denn das Auge des Gesetzes wacht.
Heilge Ordnung, segenreiche Himmelstochter, die das Gleiche Frei und leicht und freudig bindet, Die der Städte Bau begründet, Die herein von den Gefilden Rief den ungesell’gen Wilden, Eintrat in der Menschen Hütten, Sie gewöhnt zu sanften Sitten Und das theuerste der Bande Wob, den Trieb zum Vaterlande!
Tausend fleiß’ge Hände regen,
Helfen sich in munterm Bund, Und in feurigem Bewegen Werden alle Kräfte kund. Meister rührt sich und Geselle In der Freiheit heil’gem Schutz; Jeder freut sich seiner Stelle, Bietet dem Verächter Trutz. Arbeit ist des Bürgers Zierde, Segen ist der Mühe Preis; Ehrt den König seine Würde, Ehret uns der Hände Fleiß.
Holder Friede, Süße Eintracht, Weilet, weilet Freundlich über dieser Stadt! Möge nie der Tag erscheinen, Wo des rauhen Krieges Horden Dieses stille Thal durchtoben; Wo der Himmel, Den des Abends sanfte Röthe Lieblich malt, Von der Dörfer, von der Städte Wildem Brande schrecklich strahlt!
Nun zerbrecht mir das Gebäude, Seine Absicht hat’s erfüllt, Daß sich Herz und Auge weide An dem wohlgelungnen Bild. Schwingt den Hammer, schwingt, Bis der Mantel springt, Wenn die Glock’ soll auferstehen, Muß die Form in Stücken gehen.
Der Meister kann die Form zerbrechen Mit weiser Hand, zur rechten Zeit; Doch wehe, wenn in Flammenbächen Das glühnde Erz sich selbst befreit! Blindwüthend mit des Donners Krachen Zersprengt es das geborstne Haus, Und wie aus offnem Höllenrachen Speit es Verderben zündend aus. Wo rohe Kräfte sinnlos walten, Da kann sich kein Gebild gestalten; Wenn sich die Völker selbst befrein, Da kann die Wohlfahrt nicht gedeihn.
Weh, wenn sich in dem Schooß der Städte Der Feuerzunder still gehäuft, Das Volk, zerreißend seine Kette, Zur Eigenhilfe schrecklich greift! Da zerret an der Glocken Strängen Der Aufruhr, daß sie heulend schallt Und, nur geweiht zu Friedensklängen, Die Losung anstimmt zur Gewalt.
Freiheit und Gleichheit! hört man schallen; Der ruh’ge Bürger greift zur Wehr, Die Straßen füllen sich, die Hallen, Und Würgerbanden ziehn umher, Da werden Weiber zu Hyänen Und treiben mit Entsetzen Scherz; Noch zuckend, mit des Panthers Zähnen, Zerreißen sie des Feindes Herz. Nichts Heiliges ist mehr, es lösen Sich alle Bande frommer Scheu; Der Gute räumt den Platz dem Bösen, Und alle Laster walten frei. Gefährlich ist’s, den Leu zu wecken, Verderblich ist des Tigers Zahn; Jedoch der schrecklichste der Schrecken, Das ist der Mensch in seinem Wahn. Weh denen, die dem Ewigblinden Des Lichtes Himmelsfackel leihn! Sie strahlt ihm nicht, sie kann nur zünden Und äschert Städt’ und Länder ein.
Freude hat mir Gott gegeben! Sehet! Wie ein goldner Stern Aus der Hülse, blank und eben, Schält sich der metallne Kern. Von dem Helm zum Kranz Spielt’s wie Sonnenglanz, Auch des Wappens nette Schilder Loben den erfahrnen Bilder.
Herein! herein! Gesellen alle, schließt den Reihen, Daß wir die Glocke taufend weihen, Concordia soll ihr Name seyn, Zur Eintracht, zu herzinnigem Vereine Versammle sie die liebende Gemeine.
Und dies sey fortan ihr Beruf, Wozu der Meister sie erschuf: Hoch überm niedern Erdenleben Soll sie im blauen Himmelszelt, Die Nachbarin des Donners, schweben Und gränzen an die Sternenwelt, Soll eine Stimme seyn von oben, Wie der Gestirne helle Schaar, Die ihren Schöpfer wandelnd loben Und führen das bekränzte Jahr. Nur ewigen und ernsten Dingen Sey ihr metallner Mund geweiht, Und stündlich mit den schnellen Schwingen Berühr’ im Fluge sie die Zeit. Dem Schicksal leihe sie die Zunge; Selbst herzlos, ohne Mitgefühl, Begleite sie mit ihrem Schwunge Des Lebens wechselvolles Spiel. Und wie der Klang im Ohr vergehet, Der mächtig tönend ihr entschallt, So lehre sie, daß nichts bestehet, Daß alles Irdische verhallt.
Jetzo mit der Kraft des Stranges Wiegt die Glock’ mir aus der Gruft, Daß sie in das Reich des Klanges Steige, in die Himmelsluft! Ziehet, ziehet, hebt! Sie bewegt sich, schwebt. Freude dieser Stadt bedeute, Friede sey ihr erst Geläute.
Wer Informationen oder sogar Affi hat, der meldet sich bitte gerne hier: 015231811864
Vielleicht können wir ein kleines Weihnachtswunder bewirken und Affi wieder mit seiner Familie vereinen!